Abgasskandal: 3.0 TDI-Motoren von VW, Porsche und Audi vor Gericht – Einzelklage lohnt sich!

Nachdem die Einführung der Musterfeststellungsklage im vergangenen Herbst für Furore sorgte, konnte man den Eindruck haben, es wurde etwas still rund um den Dieselskandal. Aber weit gefehlt!

Nach wie vor waren und sind vor deutschen Gerichten zahllose Einzelklagen gegen Fahrzeughersteller wie z. B. Volkswagen, Porsche und Audi auf Zahlung von Schadensersatz oder Rückabwicklung des Kaufvertrages anhängig. Und: seit Herbst 2018 existieren inzwischen Urteile zu 3.0 Liter TDI-Motoren. Es wird damit immer klarer: der Dieselskandal zieht sich durch alle Fahrzeugklassen und ist längst in der „Oberklasse“ angekommen.

Porsche Cayenne 3.0 TDI: die Abschalteinrichtung und ihre Folgen

Im Oktober 2018 sprach das Landgericht Stuttgart ein erstes Urteil gegen Porsche, und zwar im Fall eines manipulierten Porsche Cayenne 3.0 TDI-Motors, 193 Kilowatt/262 PS, Baujahr 2014.

Die Porsche AG als Hersteller wurde wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung verurteilt, an den klagenden Porschefahrer Schadensersatz zu zahlen bzw. den Kaufpreis vollständig zu erstatten. Zwar hatte die Porsche AG ins Feld geführt, dass der Motor – wie er war – von Audi geliefert wurde und man von der Abschaltfunktion der Abgasreinigung nichts gewusst habe und man damit auch nicht für dieses Problem rechtlich verantwortlich zu machen sei. Dieses Argument ließ das LG Stuttgart aber nicht gelten. Porsche hätte beweisen müssen, dass man nichts über die Abschaltfunktion der Abgasreinigung in den gelieferten Motoren wusste. Diesen Beweis blieb das Unternehmen jedoch schuldig.

Zwar musste der Porschefahrer seinen Porsche Cayenne zurückgeben und bei der Erstattung des Neuwagen-Preises eine Entschädigung für die mit dem Fahrzeug gefahrenen Kilometer akzeptieren. Unter Ansatz einer erwartbaren Gesamtfahrleistung von ca. 300.000 km erhielt er aber immerhin eine Erstattung von rund 59.000 Euro zzgl. Zinsen auf diesen Betrag – seit Abschluss des Kaufvertrages!

(LG Stuttgart, Urteil v. 25.10.2018, Az.: 6 O 175/17; Stand 2/19: nicht rechtskräftig)

Euro 5-VW Touareg 3.0 TDI: Rückabwicklung Kaufvertrag wegen Abschalteinrichtung

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Ende November 2018 das Landgericht Heilbronn im Falle eines 3.0 Liter TDI-Motors des VW Konzerns, diesmal verbaut in einem Euro 5-VW Touareg mit 3.0 TDI-Motor der Baureihe EA 897.

Auch hier urteilte das Gericht wie bereits das LG Stuttgart im Fall des Porsche: der Hersteller hätte den Käufer vorsätzlich und sittenwidrig getäuscht, als er ein Auto mit einer Abschalteinrichtung für die Abgasreinigung verkaufte. Auch in diesem Fall wurde der Hersteller des Fahrzeugs (VW) verurteilt, das Fahrzeug zurückzunehmen und den Kaufpreis zu erstatten, also den Vertrag vollständig rückabzuwickeln.

Denn das Gericht war auch hier davon überzeugt, dass im Touareg, um den es in dem Verfahren ging, eine unerlaubte Abschalteinrichtung integriert war und dass dem Hersteller das bekannt war.

(LG Heilbronn, Urteil v. 30.11.2018, Az.: 5 O 117/18; Stand Februar 2019: nicht rechtskräftig)

A4 mit 3.0 TDI-Motor: Thermofenster als unzulässige Abschalteinrichtung

Hinsichtlich eines Audi A4 mit 3.0 TDI-Motor mit sogenanntem „Thermofenster“ verurteilte das Landgericht Stuttgart die Audi AG dazu, Schadensersatz an den Fahrer eines A4 zu bezahlen. Thermofenster bedeutet technisch gesprochen: Die Abgas­reinigung arbeitet nur innerhalb bestimmter Lufttemperaturen (Temperaturfenster sozusagen). Ist es wärmer oder kälter, schaltet die Elektronik die Abgasreinigung ab.

Laut Ansicht des Gerichts ist die Abschaltung der Abgasreinigung schon bei Temperaturen unterhalb von fünf Grad unzulässig, die Thermofenster eine unzulässige Abschalteinrichtung. Aus diesem Grund verurteilte das Gericht die Audi AG zur Zahlung von Schadensersatz, und zwar wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung des Audi-Fahrers durch den Verkauf eines Fahrzeugs, das mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung ausgestattet war.

Folgen für 3.0 TDI-Fahrer: Einzelklage kann sich lohnen!

Was bedeutet das für Fahrer von Fahrzeugen aus dem VW-Konzern mit 3.0 Liter TDI-Motoren?

Diese Urteile belegen, dass nicht nur Kompakt- und Mittelklasse vom Abgasskandal betroffen sind, sondern auch Fahrzeuge der Oberklasse mit 3.0 Liter TDI-Motoren. Wer ein solches Fahrzeug fährt, sollte prüfen lassen, ob das eigene Fahrzeug auch vom Abgasskandal betroffen ist. Denn nur wer klagt, riskiert nicht, auf dem mangelhaften Fahrzeug und dem Schaden durch die Abschalteinrichtung sitzen zu bleiben.

Denn haben Sie ein Fahrzeug mit einem 3.0 Liter TDI-Motor aus dem Hause VW (einschließlich der Konzernmarken Audi und Porsche) und ist eine Abschalteinrichtung vorhanden, kann es sich durchaus lohnen, mit einer Einzelklage auf Schadensersatz oder Rückabwicklung des Kaufvertrages zu klagen.

Das gilt auch, wenn man bei der Erstattung des Kaufpreises einen „Abzug“ für die gefahrenen Kilometer seit der Anschaffung des Autos in Kauf nehmen muss. Denn zusätzlich zum zu erstattenden Kaufpreis hat man als „sittenwidrig geschädigter“ Käufer außerdem Anspruch auf Verzinsung des Kaufpreises seit Zahlung des Kaufpreises in Höhe der gesetzlichen Verzugszinsen!

Daneben kann auch der Ersatz etwaiger Finanzierungskosten verlangt werden.

Sie benötigen Rat im VW-Abgasskandal?  

Sie fahren ein Fahrzeug aus dem Hause VW mit einem 3.0 Liter TDI-Motor? Sie wissen nicht, ob Ihr Fahrzeug eventuell vom Abgasskandal betroffen ist und was Sie dann unternehmen können / sollten?

Sprechen Sie uns gerne an – wir beraten Sie schnell, unkompliziert und mit viel Erfahrung in derartigen Fällen! Sie erreichen uns unter 089 / 23 23 87 25-0 oder per E-Mail an mail@keusch-rae.de!

 

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