Weiteres Urteil zu Widerruf von Autokreditvertrag wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung

Auch das Landgericht Ellwangen hat mit Urteil vom 25.1.2018 (Aktenzeichen: 4 O 232/17) entschieden, dass ein Autokäufer den Darlehensvertrag, den er zwecks Finanzierung bei der Hausbank des Fahrzeugherstellers abgeschlossen hatte, wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung noch eineinhalb Jahre später widerrufen könne.

Im Rahmen der Urteilsbegründung führt das Gericht unter anderem aus:

Grundsätzlich müsse zwar der Widerruf innerhalb von zwei Wochen erklärt werden. Die Widerrufsfrist habe jedoch nicht zu laufen begonnen, da dem Kläger als Verbraucher nicht die erforderlichen Pflichtangaben zur Verfügung gestellt worden seien.
Zum einen sei der Kläger nicht klar und verständlich über alle Möglichkeiten aufgeklärt worden, den Vertrag durch Kündigung zu beenden. Es fehle der Hinweis darauf, dass der Verbraucher den Vertrag als sog. Dauerschuldverhältnis aus wichtigem Grund kündigen könne. Es sei eine Auslegung geboten, die sich an europäischem Recht orientiere und die Verbraucherkreditrichtlinie 2008/48/EG berücksichtige.

Als Folge des wirksam erklärten Widerrufs könne der Kläger die geleistete Anzahlung und die gezahlten Raten zurückverlangen.

Verbraucher, die ihr Fahrzeug finanziert oder geleast haben, sollten daher dringend ihre Kredit- bzw. Leasingverträge überprüfen lassen. Über den „Widerrufsjoker“ lässt sich somit womöglich zu hervorragenden Konditionen ein Ausweg aus dem Diesel-Dilemma finden. Das betroffene Fahrzeug kann gegen Rückerstattung der geleisteten Zahlungen (Anzahlung und Raten) zurückgegeben werden. Der zu leistenden Nutzungsersatz für die Nutzung des Fahrzeugs fällt zumeist gering aus, da die Gerichte überwiegend von Laufleistungen von 250.000 km für das gesamte Fahrzeugleben ausgehen. Wer sein Fahrzeug also nur durchschnittlich nutzt, hat somit nur geringen Nutzungsersatz zu leisten.
 
 
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