Widerruf Autokredit wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung

Das Landgericht Berlin hat mit Urteil vom 5.12.2017 (Aktenzeichen: 4 O 150/16) entschieden, dass ein Autokäufer den Darlehensvertrag, den er zwecks Finanzierung bei der Hausbank des Fahrzeugherstellers abgeschlossen hatte, wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung noch eineinhalb Jahre später widerrufen könne.

Zwar sei die Widerrufsbelehrung wirksam. Dennoch habe die zweiwöchige Frist für einen Widerruf nicht zu laufen begonnen. Denn in dem Vertrag werde entgegen dem Gesetz nicht hinreichend erläutert, wie eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung berechnet werde. Zudem werde der Verbraucher nicht in der gebotenen Weise über ein gesetzliches Kündigungsrecht aufgeklärt. Der Fahrzeugkäufer erhalte die geleisteten Zahlungen zurück gegen Rückgabe des Fahrzeugs (VW Touran), müsse jedoch für die Zeit, in der er das Fahrzeug genutzt habe, auch eine Entschädigung dafür leisten.

Verbraucher, die ihr Fahrzeug finanziert oder geleast haben, sollten daher dringend ihre Kredit- bzw. Leasingverträge überprüfen lassen. Über den „Widerrufsjoker“ lässt sich somit womöglich zu hervorragenden Konditionen ein Ausweg aus dem Diesel-Dilemma finden. Das betroffene Fahrzeug kann gegen Rückerstattung der geleisteten Zahlungen (Anzahlung und Raten) zurückgegeben werden. Der zu leistenden Nutzungsersatz für die Nutzung des Fahrzeugs fällt zumeist gering aus, da die Gerichte überwiegend von Laufleistungen von 250.000 km für das gesamte Fahrzeugleben ausgehen. Wer sein Fahrzeug also nur durchschnittlich nutzt, hat somit nur geringen Nutzungsersatz zu leisten.
 
 
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